Erster Tag vom letzten Jahr

Wir müssen diesen Tag ganz bewusst angehen, denn 100 % meiner beiden schulpflichtigen Kinder starten heute in ihr letztes Schuljahr. Das Kind 1 macht danach Abi und das Kind 2 seinen Realschulabschluss. Dann sind wir fertig mit diesem Lebensabschnitt und können wieder Urlaub machen wann wir wollen.

Kein Baby mehr

Wir haben gestern Abend noch alles vorbereitet, weil wir das immer so machen. Dieses Mal ist es aber was Besonderes, das Kind 1 ist nämlich seit heute kein Kind mehr – und dabei war sie doch neulich erst noch so klein. „Könnt ihr mir bitte das Auto geben, ich möchte als erstes mal alleine fahren!“ war der größte Wunsch. Also haben wir das Auto nach Ziegelstein gefahren, es abgestellt und sind wieder heim und haben dekoriert, gewartet und sind irgendwann ins Bett. Jetzt warten wir wieder. Irgendwann wird der volljährige Mitbewohner schon aufstehen und sich knuddeln lassen müssen. Wir lernen gerade mit der Brechstange was es heißt los zu lassen.

Brettleben und um die Karpfenweiher rum

Der Himmel ist blau, der Rasen grün, die Rauchschwaden vom Bratwurstgrill verbreiten Fußballplatzromantik. Läuft. Läuft sogar sau schnell bei diesem Straßenlauf in Neuhaus bei Adelsdorf. Kein Stück Fun-Run-Flair, relativ wenig Zuschauer, aber ganz viele sau schnelle Läufer. Ganz andere Liga. Ganz schneller Lauf. Wir haben das Laufteam der FFW Weilersbach vertreten, das Kind 1 war etwas gefrustet, ich am Anschlag. Puh. Ein echt harter Lauf.

Ein epischer Moment

Hausmitteilung: Das Kind 1 hat den Führerschein! Und ich glaube da haben sich die Eltern mehr darüber gefreut als das Kind selbst. Für das Kind geht erst mal nur eine Phase zu Ende, also die Zeit, in der man regelmäßig Fahrstunden mit Höhen und Tiefen hatte. Dramatisch verändern wird der Lappen das Leben aber erst mal nicht, außer dass es halt jetzt ab und an mal selbst fahren muss, anstatt hinten drin zu sitzen und sich chauffieren zu lassen.

In einem halben Jahr, wenn es 18 ist, wird es anfangen alleine irgendwo hin zu fahren, das wird dann viel einschneidender für uns werden. Bis dahin sind wir erst mal froh dass diese ständigen Überweisungen an die Fahrschule aufhören. Wenn man am Land lebt oder von dort kommt, ist der Führerschein viel wichtiger als wie wenn 300 m von der nächsten U-Bahnhaltestelle entfernt wohnt. Für die Chefin und mich war der Führerschein ein Stück Unabhängigkeit, ich denke für das Kind 1 wird dieser Zettel erst ein ein paar Jahren so richtig interessant.

Die Läufe und der Rest

Die letzte Woche war knüppelhart, weniger vom Arbeitspensum, als von der emotionalen Anspannung her. Montag hat man mir ein Abfindungsangebot gemacht, Freitag war dann endlich klar dass ich da raus bin, zwischen drin hatte ich mich schon in einer neuen Rolle als Interimsprivatier abgefunden. Happy-End zum Wochenend. Danach zum El Gordo auf Geburtstag und nicht als letzter heim. Noch mal sacken lassen: Ich bin nicht als letzter heim!

Samstag Nachmittag haben das Kind 1 und ich in Weilersbach beim Frühjahrslauf mitgemacht. Das war ein super Event, das Wetter perfekt zum Laufen, viele Bekannte beim Lauf und an der Strecke, ein Fest. Wir haben nur die 6 km gemacht, schön locker, weil unser großer Lauf ja sonntags auf dem Programm steht.

Sonntag, langer Lauf, 4 x 40 Minuten. Ich hab mittlerweile genug vom Hainberg, 2 große Runden links rum, 2 große Runden rechts rum, dann pro Runde wechseln. Ohne Musik, ohne Podcast, nur ich und die Strecke. Mein Opa war immer alleine auf seinem Bierkeller gesessen, auch ohne Musik und Podcast. Achtsam Biertrinken würde man heute sagen, ich laufe achtsam, achtsam laufen ist scheiße. Nichts desto trotz, Respekt vor meinem Körper, wie der diese Läufe mittlerweile wegsteckt. Lang laufen, heimkommen, frühstücken, duschen und noch eine Stunde ins Bett, nachmittags dann Nachmittagsfamilienprogramm.

Tablet mit Stift

Das Kind 1 hat Bedarf für ein „Tablet mit Stift“ angemeldet. „Tablet mit Stift“ ist ein interessantes Thema und zwar deshalb weil ich so etwas auch gebrauchen könnte. Jetzt heißt es ruhig bleiben, den Markt sondieren und die Umgebung beobachten. Auf Arbeit habe ich schon mal jemanden mit so einem Gerät gesehen und der Versicherungsvertreter hatte auch eines. Das sind Ansatzpunkte. Aber jetzt erst mal einen Schritt zurück und Stakeholder-Anforderungen sammeln: Apple oder Android? Wie das Handy! Mit oder ohne SIM-Karte? Häh? Wie groß? Naja das man halt drauf schreiben kann! Mit Tastatur oder ohne? Mit Stift! Wie gesagt, wir sind am Anfang.

Ein Rock im Park Debüt

Das letzte Mal waren wir vor 5 Jahren, also 2019, auf Rock im Park. Das Lineup war letztes Jahr auch nicht so der Hit, dieses Jahr war es uns allerdings egal und als wir uns entschieden haben hin zu gehen, war es auch nur teilweise bekannt. Der Grund warum es uns heuer wieder raus an den Dutzendteich getrieben hat war ein ganz besonderer und zwar hat sich das Kind 1 zu Weihnachten eine Tageskarte gewünscht. Das ist ein ganz schön krasses Geschenk – schenke eine Karte, kaufe drei!

Der Samstag war ein spitzen Festivaltag, gutes Wetter und auch ein ganz brauchbares Lineup. Im Bild oben sieht man Kraftklub wie sie mitten im Publikum spielen, davor gab es noch die wunderbaren Wanda, ansonsten habe ich wenig gekannt und habe mich am meisten nachts auf Biohazard gefreut. Das hat alles gepasst. War ein guter Tag und dem Kind hat es voll gefallen. Mission „Rock im Park Debüt“ erfolgreich durchgezogen.

Wir entfremden uns von Jahr zu Jahr ein bisschen mehr

Irgendwann letztes oder vorletztes Jahr habe ich das Kind 2 verloren, es schläft am 1. Mai lieber aus als sich mit dem Kind 1 und mir zu solidarisieren. Dafür ist das Kind 1 umso mehr dabei! Auch dieses Jahr waren wir erst wieder am Gewerkschaftshaus und dann in Gostenhof auf der Suche nach der Sozialen Revolution. Ich tue mir tatsächlich jedes Jahr schwerer mit der Veranstaltung in Gostenhof obwohl ich dieses Linksgrün-Versiffte generell recht gerne mag.

Schluss mit der Krise ist eine super Forderung, aber wir haben halt zig Krisen parallel und man kann halt nicht einfach auf einen Knopf drücken, Revolution! schreien und hoffen dass sich alles von selbst regelt. Das hat ja schon fast AfDige Züge. Schluss mit Krieg – richtig! Hallo Herr Putin, wir haben jetzt keinen Bock mehr auf Krieg, könnten Sie bitte damit aufhören. Wir würden gerne reden! Das ist schon ganz schön naiv. Schluss mit Kapitalismus mag ich am Liebsten, das ist dann so wie bei Star Trek oder in der DDR – ich arbeite nicht um des Geldes Willen sondern um mich selbst zu verwirklichen und der Gemeinschaft etwas zu geben. Hat halt nicht funktioniert, liegt aber nicht am System, sondern an den Menschen. Mann, oh Mann!

Eine Sache am Rande der Demo hat mich aber mehr genervt als alles andere, nämlich dass so ein vermummter Honk herum gehuscht ist und mit seiner Spraydose die Häuser verschandelt hat. Kampf den Palästen brauchst du doch in Gostenhof nicht führen und das Eigentum des Anderen, in dem Fall der Nachbarn, einfach zu verschandeln ist doch komplett scheiße. So, was bleibt sind ein paar „FCK AFD“ Aufkleber und ein gewisses Gefühl von Abstand.

Nix mit Kranken

Das Kind 1 hat diese Woche sein zweites Praktikum. Das erste, vor einem Jahr, hat es in einem eigenen Kindergarten gemacht, das zweite jetzt im Krankenhaus, in dem es auf die Welt gekommen ist. Das nenne ich mal konsequent. Ich weiß nicht wer aufgeregter war, die Mutter, die dort selbst gut 20 Jahre gearbeitet hat, oder das Kind. Naja, das Ziel ist klar „nix mit Kranken“ soll beim Kind hängen bleiben.

Als wir noch in der Schule waren gab es leider nur in der Hauptschule Praktika, in Realschule und Gymnasium gab das gar nicht. Ich finde Praktika voll wichtig, nicht nur für die Kinder, die so eine Vorstellung vom Berufsalltag bekommen, sondern auch für die Betriebe, die so direkt Kontakt zu potentiellen neuen Arbeitskräften bekommen. Ich würde tatsächlich sogar noch einen Schritt weiter gehen und Betrieben oder Berufsverbänden die Möglichkeit geben in den Abschlussjahrgängen zu unterrichten: Handwerker könnten „werken“, ITler Informatik geben und Köche Hauswirtschaft zeigen. Das würde zum einen die Lehrkräfte entlasten und zum anderen Schüler und Betriebe ganz low-level vernetzen.

Ab jetzt vollkatholisch

Meine Firmung müsste vor gut 35 Jahren gewesen sein. In W wurden damals die Klassen 5 bis 6 gemeinsam gefirmt. Die Frage ob überhaupt und falls ja, wann, gab es gar nicht. Heute und hier in der Stadt ist das anders, da muss man sich selbst darum kümmern. Das Kind 1 hat es mit der Clique diskutiert – generell „ja, schon“, wann und wo haben sich etwas gezogen, aber gestern war es so weit.

Der Gottesdienst war nachmittags um Zwei und gehalten wurde er von Bischof Schick – bekannt aus Funk und Fernsehen – persönlich. Der Bischof ist Firmprofi und hat erzählt dass er schon mehrere Tausend Jugendliche gefirmt hat. Dem entsprechend war seine Performance extrem professionell, er hat aus dem Stand eine Predigt gehalten, gut 30 Minuten, frei weg, ohne Notizen, fast wie ein Entertainer mit Altar als Bühne. Das hat mich schwer beeindruckt.

Zu einer Firmung gehört ja auch ein Firmausflug, bei uns früher war das Standardfirmausflugsziel Schloss Thurn, da ist der Pate mit dem Firmling hin, hat versucht den Tag gar rum zu bringen, bevor dann abends noch irgendwo eingekehrt wurde. Ein Teenager mit 16 interessiert sich für so etwas natürlich nicht mehr und um auf Nummer Sicher zu gehen, hat das Kind den Spieß herum gedreht und einen Ausflug für die frisch gebackene Patin organisiert: Mit der U-Bahn Mitten in die Stadt und dort Sushi essen gehen. Ein Kulturschock für die Patin, hohes Unterhaltungspotential für die ganze Reisegruppe und ein irgendwie doch ganz gut passender Abschluss für diesen Tag.