
Die Chefin hat so etwas wie eine Städte-Bucketlist, Venedig mussten wir also mitnehmen. Venedig muss man mal gesehen haben, sagt sie. Wenn man einen Städtetrip um Tagen mit Eintrittspreisen und Anlegezeiten von Kreuzfahrtschiffen herum, planen muss, dann tue ich mir schon schwer damit, aber es hilft ja nix, Venedig muss man gesehen haben!
Das Kind 1 hat Tag und Route geplant, ich war dann für die Durchführung zuständig, heißt ich durfte die Reisegruppe chauffieren und unser langes Auto dann in einem italienischen Kurzautoparkhaus parken. Das ist eine durchaus erwähnenswerte Leistung. Die Fahrt vom Festland mit der Bahn in die Lagune dauert 10 Minuten und kostet pro Nase 1,50 €, in Nürnberg würde so etwas grob drei Mal so viel kosten.
Venedig ist schon schön, da kann man nichts sagen, wir arbeiteten erst die Liste der Hotspots ab und haben uns dann treiben lassen. Ich wäre manchmal gerne etwas mehr geschichtsinteressiert und hätte gerne ein paar Robert Langdon Momente, bin aber zu sehr Handwerker: Ich sehe herunter gekommene Bauten, schön renovierte oder sonst irgendwie interessante. Man kann es schön reden und sagen, dass ich mich mehr für Architektur als Geschichte interessiere.
Irgendwann war dann – gefühlt – alles gesehen bzw. immer gleich und die Chefin hat den Rückzug befohlen. Ich habe versucht noch eine Stunde gegenzuhalten um damit einen dicken und vor allem finalen Haken hinter Venedig machen zu können. Außerdem wollte ich die Abfahrt so lange wie möglich herauszögern, um mit weniger Gegenverkehr aus dem Parkhaus zu kommen. Das hat alles irgendwie funktioniert und das Thema Venedig ist zumindest für mich damit durch. Die Chefin hat gesagt Rom ist ähnlich, mein Versuch diesen Gedankengang auszubauen und damit auch gleich Rom von unserer Bucketlist zu streichen, ist allerdings gescheitert.








